6 month of living with less

Seit ziemlich genau einem halben Jahr sind wir unterwegs. Wir hatten keinen festen Wohnsitz, keine festes Dach über dem Kopf und alles was wir besitzen ist immer dabei. Mein erstes Fazit nach 6 Monaten: Ich war selten so frei.

Solange ich mich erinnern kann, habe ich stets versucht, mehr zu haben, neue Dinge zu kaufen. Weitere Dinge zu besitzen schien der ’normale‘ Lauf des Lebens zu sein.

Das führte dazu, dass ich in immer größere Wohnungen gezogen bin und somit auch immer mehr Platz für immer mehr ‚Equipment‘ hatte. Und all das wollte dann auch stets bezahlt werden. Meine große Wohnung habe ich selten von innen gesehen, weil ich meist im Büro war, mein Rennrad hing an der Wand, mein Mountainbike stand im Keller, das Snowboards ebenfalls, die Skier noch bei den Eltern. Mein Macbook war mit zu alt und lag in der Schreibtischschublade – neben mindestens 7 Generationen von Handys. Mein Kleiderschrank hing voller Kleidung, die ich nicht nutzte und von meinen zwei Motorrädern konnte ich ja auch nur eines fahren..  und und und. Diese Liste lässt sich nahezu endlos fortsetzen.

Ich wollte mehr Besitz anhäufen, damit ich alles mal benutzen kann, wenn ich Zeit habe. Rate mal! Die Zeit hatte ich einfach nicht. Wobei das auch schon eine seltsame Sichtweise ist. Ich hatte natürlich die gleiche Zeit wie jetzt, nur hatte ich andere Prioritäten.

Zu Beginn meiner Tätigkeit als Coach habe ich dann viele neue Sichtweisen kennengelernt und versucht diese auch auf mein eigenes Leben anzuwenden. Das bedeutete für mich vor allem andere Wege zu gehen, als sie von mir erwartet wurden. Ich habe hinterfragt, was mir wirklich wichtig im Leben ist.

Wer möchte ich im Rückblick auf mein Leben einmal gewesen sein. Ich glaube, man reift mit den Erfahrungen, die man macht. Also wollte ich Erfahrungen sammeln. Bei welchen Stories muß ich aufhorchen, was hat mich schon als kleines Kind begeistert? Was sind meine ganz persönlichen Motivatoren?

Dazu gehört unter anderem ungebunden zu sein und viel zu reisen. Und siehe da, genau hierfür stand mir alles bisher Angehäufte einfach im Weg. Es ergab sich immer wieder die Ausrede, etwas ja nicht tun zu können, weil das gerade nicht ginge.

Seit Anfang des Jahres habe ich nur noch bei mir, was ich auch wirklich nutze. Meine Klamotten habe ich tatsächlich alle an. Vor der Türe oder im Keller kann nichts stehen.Alles muss in unser Auto passen – und das war ganz schön voll als wir eingezogen sind. Kaum konnte man von vorne nach hinten gehen, ohne irgend etwas rumräumen zu müssen. Und das nervt immens, wenn man es nicht wirklich braucht, dafür aber 10mal am Tag von hier nach dort und zurück räumt. Also verkauft, verschenkt, gespendet! Schnell hatten wir sogar Besuch in unserer Emma. Selbst zwei Wochen zu viert im Auto in Afrika war zwar etwas eng, geht aber auch!

Jetzt sind wir mittlerweile in Thun in der Schweiz und werden hier mindestens ein Jahr bleiben. Ab 1. September werden wir wieder in eine Wohnung ziehen und ich bin gespannt, ob da nach einem Jahr auch wieder so viel drinsteht oder das Besinnen auf das Wesentliche Teil unseres Leben bleiben wird.

Dinge, die wir besitzen, sollten uns nützen. Je mehr Dinge es werden umso mehr bekommen sie eine Daseinsberechtigung per se und kosten früher oder später Zeit und Geld. Je weniger ich besitze, umso mehr kann ich mich darauf konzentrieren ich selber zu sein.

Somit waren 6 month living with less: 6 month more LIVING.

Übrigens sammele ich nach wie vor für meinen Spendenlauf am kommenden Samstag bei den 100 Meilen von Berlin Unterstützung. Sämtliche Spenden werden wieder an Streetkids e.V. in Tansania gehen. Alle Updates zu den 100 Meilen und dem Laufen im allgemeine unter nativerunners.com:

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