dankbar für den moment

Die letzte Woche habe ich mit Teilnehmern der dritten sahara experience in der Wüste verbracht. Meine Intention bei diesen Reisen ist, meinen Teilnehmern zu zeigen, wie anders das Leben sein kann. Ich vergesse selbst manchmal, dass ich genau genommen, alles was ich im Leben mache, aus freien Stücken und auf meinen eigenen Wunsch hin tue. Jedes mal, wenn ich eine Entscheidung treffe, könnte ich auch eine andere Entscheidung treffen, oder es komplett bleiben lassen. Ich müsste halt nur mit den jeweiligen Konsequenzen leben.

Ich denke dabei an die ganzen kleinen Momente, die wir uns anders wünschten und uns aus ganzem Herzen darüber beklagen, wie schwer wir es doch haben. Ich versuche mich immer wieder daran zu erinnern, wie schwierig auch immer die Situation nun sein mag, dass es mein freier Wille ist, wie ich mich nun in der jeweiligen Situation verhalte. Denn wie ich in die Situation hinein gekommen bin, kann ich für dieses Mal nicht mehr beeinflussen. Wir können allerdings in jeder Situation entscheiden wie es weiter geht.
Ich vergesse dabei immer wieder, um welche Lappalien es sich dabei eigentlich handelt. Alles was uns wirklich bedrohen kann, haben wir in unserer Welt ja sehr gut im Griff (denken wir). Wir können uns gerade so noch einen Stromausfall vorstellen und wenn drei Feiertage ohne geöffnete Geschäfte bevorstehen, neigen wir zu Hamsterkäufen. Das Schlimmste, was mir persönlich in meinem Alltag zustößt, ist eine zusammenbrechende Wifi-Verbindung. Selten denke ich an andere Menschen, die ausserhalb unserer Komfortzone leben und wie diese in ihrem täglichen Leben den Naturgewalten ausgeliefert sind.
Nachdem wir letzte Woche in M’Hamid angekommen sind, schien dort noch die Sonne. Allerdings nur, um uns kurz willkommen zu heissen und dann sofort dem aufziehenden Sandsturm zu weichen. Ich habe mir das Spektakel, im festen Glauben, dass es ein paar Stunden dauern wird, interessiert angeschaut und gefreut, dass es heute passiert und nicht morgen. Und siehe da zum Abend hin schwächte sich der Sturm ab. Womit ich nicht gerechnet hatte, aber zur Realität wurde, war, dass der Sandsturm jeden Tag aufs neue aufzog und unser ständiger Begleiter wurde. Es gab von nun an nur einen entscheidenden Unterschied. Wir liefen jetzt mitten hindurch und zwar immer in die Richtung aus der der Wind (und sämtlicher Sand) uns entgegen bließ. Nach und nach bekam ich ein Gefühl, dass sich nur sehr selten bei mir einstellt: ich fühlte mich hilflos. Ich habe es gehasst, Sand in den Augen zu haben, Sand in der Nase zu haben, Sand in meiner Lunge zu haben. Ich hätte mich so gerne versteckt. Eine Pause machen half auch nicht wirklich. Der Sand war ja eh überall. Essen zuzubereiten oder es zu essen ähnelte sehr einem Spiel im Sandkasten. Nachts ließ der Wind nach, nur um dann mit plötzlichen heftigen Böen eimerweise Sand in meinen Schlafsack zu befördern. Ich wachte morgens auf und kaute auf Sand. Es half alles nichts ausser schlichtweg stoisch zu werden. Einfach weitermachen und darauf hoffen, dass es irgendwann nachlässt. Am Abend des dritten Tages war es so weit. Der Himmel lichtete sich und wir hatten unsere erste sternenklare Nacht.
Schließlich hatten wir eine unglaubliche Reise und freuten uns umso mehr über entspannte klare Nächte und Musik am Feuer. Wir wussten ja jetzt, dass dies nicht selbstverständlich ist.
Und in etwa so ist es wohl auch mit allen Dingen. Es scheint nicht immer und überall die Sonne im Leben. Manchmal tauchen Schwierigkeiten auf und wir müssen harte Zeiten überstehen. Es hilft nicht, wenn wir uns vor diesen verstecken. Der einzige Ausweg ist sich den Problemen zu stellen und sich  irgendwie hindurch zu kämpfen. Wenn diese dann erst einmal hinter uns liegen ist es umso schöner, die Zeit zu genießen in der alles glatt läuft. Dann hast Du es Dir verdient und das fühlt sich toll an.
Wenn Du es schaffst, Dir diese beiden Sachen stets vor Augen zu führen, hast Du bereits einen großen Schritt zum glücklichen Leben geschafft.
Ich hoffe, dass ich mich, immer wenn es für mich gut läuft, daran erinnere, dass dies nicht selbstverständlich ist und ich es schaffe, immer dankbar für den Moment zu sein.
Jetzt sitze ich noch eine Woche in meinem „officeless office“ in Taghazout am Meer. Kein Sandsturm mehr, durch den ich laufen muss. Einfach nur viel Zeit zum Entspannen, Sport treiben, Organisieren, Planen und vor allem Schreiben.
Schön, dass ich hier bin.

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