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einen ganzen sommer zeitverzerrung

In diesem Sommer habe ich meine ganz eigene Form der Zeitverzögerung erlebt. Rückblickend betrachtet haben die vergangenen 8 Monate ewig gedauert und gleichzeitig habe ich keine Ahnung wie diese so schnell vergehen konnten.

Anfang Mai diesen Jahres, nur einige Tage nachdem Django plötzlich gestorben ist, bin ich von Sansibar nach Kanada gereist um dort am Hypnose Training mit Mike Mandel teilzunehmen. Im Anschluss ging es für mich über Berlin nach Äthiopien, wo wir nahezu 1 Monat blieben.
Nach Äthiopien ging es nochmal für 14 Tage nach Sansibar um die Lodge für die kommende Sommersaison vorzubereiten. Es war gegen Ende der (dieses Mal) sehr heftigen Regenzeit und einiges war kaputt oder umgestürzt und so musste das Eine oder Andere repariert werden. Ende Juni ging es dann in die Schweiz, wo Judy zum 1. Juli ihre neue Stella am Inselspital in Berlin begann.
Seitdem teilen wir uns eine Wohnung in Bern mit einer weiteren Ärztin. Froh über funktionierendes Internet habe ich sofort meinen Kopf in den Computer gesteckt, wollte doch eine vollständig neue Webseite (www.Happylife.Coach) erstellt und mit Inhalt gefüllt werden.
Wenn ich nicht am Computer saß versuchte ich so viel Zeit wie möglich laufend in den Bergen zu verbringen lagen doch noch ein paar harte Ultraläufe vor mir. Jeder einzelne Augenblick in den Bergen war ein Traum und ich sehnte mich schon danach, hoffentlich irgendwann wieder auf dem Berg zu wohnen. Ehe ich mich versah war es schon Ende August und der Sommer neigte sich so langsam dem Ende, als wir von der Möglichkeit erfuhren ein altes Haus auf 1600m zu mieten. Mit grandiosem Blick und viel persönlichem Freiraum haben wir sofort zugeschlagen und seitdem verbringe ich die meiste hier oben und genieße die Inspiration wenn, ja wenn ich nicht gerade extrem viel zu bauen habe.
Ja, wir wussten, dass das Haus (Heidi) über keine öffentliche Infrastruktur verfügt. Wasser, Strom, Abwasser… das aber auch an der Substanz einiges gemacht werden musste war nicht klar. Ich denke dazu schreibe ich in einem anderen Beitrag ausführlicher.

Mitte September ging es dann schon mit der ersten Ausgabe der RIDING experience nach Südfrankreich in die Provence. Wir sind eine Woche auf tollen Pferden durch den wunderschönen Luberon und ich kann es kaum erwarten im kommenden Jahr während der Lavendelblüte wieder dort zu sein.
Zurück in der Schweiz habe ich mich wieder in die Arbeit am haus gestürzt. Der Winter lässt ja nicht auf sich warten und wir wollten es zum Winter fertig haben.
Dann ging es Mitte Oktober auch schon in die Wüste zur 6. Ausgabe der SAHARA experience. Dieses Mal war ein Filmteam von DoubleVision aus Hamburg dabei ich freue mich schon auf das atemberaubende Video von der Reise. Es war wieder einmal schlichtweg magisch in der Wüste.
Am ersten November ging es wieder in die Schweiz und ich stecke die letzten Tage Arbeit in unser Berghaus, das ab Februar über AirBnB zu buchen ist. Es liegt bereits Schnee und ich bin mir ziemlich sicher, alles für unsere Weihnachtsgäste zum zum 28. November fertig zu haben, denn dann geht es bis zum 19. Dezember nach Sansibar um die Lode www.caveman-lodge.com für die absolute Hochsaison über den Jahreswechsel auf Vordermann zu bringen.
Es kommt mir wie ein Augenblick vor seitdem ich die letzten Beiträge hier veröffentlicht habe und gleichzeitig scheint es mir eine Ewigkeit zu sein seitdem ich in Sansibar aufgebrochen bin. Ich nehme das mal als ein positives Zeichen für einen busy Sommer und Freue mich auf einen grossartigen Winter in den Bergen… Nachdem ich von der tropischen Insel zurück bin.

django

7 Tage bevor ich in diesem Frühjahr Sansibar verlassen habe, ist leider plötzlich Django tot umgefallen. Django wurde nur 7 Monate und mich jeden einzelnen Tag während meiner Sansibar Zeit begleitet und war deshalb sozusagen ein Teil von mir.
Das Lebewesen sterben gehört sozusagen zum Leben dazu. Ohne Tod kein Leben. Das jemand und sei es auch ein Tier, einfach so von einer Sekunde zu anderen umfällt und einfach Tod ist hat mir allerdings so massiv die Vergänglichkeit des Lebens aufgezeigt, dass ich zum Einen einen Podcast dazu aufgezeichnet hat und zum Anderen einen ausführlichen Bericht auf englisch geschrieben habe.
Falls dich dieser interessiert, findest du diesen hier!

Also, pass auf dich auf und geniesse das Leben solange du kannst: heute!

die wüste hat mich voll erwischt

 

Ich liebe diese Geschichte eines Teilnehmers der Sahara Experience des letzen Jahres. Falls Du auch deine Grenzen kennen lernen und deinen Horizont erweitern möchtest, sag mir Bescheid.

Jeder kennt wohl den Ausspruch „schick Ihn in die Wüste“. Woher das wohl kommt?
Als ich meiner Familie und Freunden sagte, dass ich in die Wüste gehe, bekam ich zuhören: „Wie, gehen?“, „Warum sowas Sinnloses?“, „Das ist doch total gefährlich!“. Als ich dann noch erzählte, dass ich wegen der Arbeit in die Wüste gehe, erntete ich nur noch mitleidige Blicke. Für das, was mir MEIN TRIP durch die Wüste gebracht hat, hätte ich zum damaligen Zeitpunkt schon anfangen können zu feiern.
Ich bin nicht als besserer Mensch wiedergekommen, auch nicht mit einem besseren Sitzfleisch, bin auch kein radikaler Moslem geworden. Eigentlich bin ich ich geblieben.
Das mit dem Sitzfleisch lässt sich schnell erklären: Ich habe zweieinhalb  Tage auf einem Dromedar verbracht. Es macht, glaube ich, keinen Unterschied, ob man in einer kleinen Jolle bei Sturm über die Nordsee fährt oder auf so einem Tier völlig entkräftet nach Hause will. Es schaukelt wie Sau.
Ich habe einen Job, in dem ein Projekt nach dem nächsten kommt und die Ruhephasen am Wochenende nicht mehr ausgereicht haben. Ich hing mit dem Kopf noch im letzten Projekt, da musste ich das nächste schon vorbereiten. Nichts Ungewöhnliches heutzutage. Ich mache diesen Job auch schon ein paar Jahre. Habe die Firma gewechselt. Nichts Aufregendes, aber trotzdem hat es sich so verdammt falsch angefühlt. Ich hatte das Gefühl, ich werde nicht glücklich, und mit meinem Chef klappt das auch nicht.
Der Wüstentrip, wenn ich mich nur mal auf dieses Thema beschränke, war für mich die Möglichkeit alle Gedanken, die mir durch den Kopf rauschen, kommen und gehen zulassen. Sie zu Ende zu denken und akzeptieren zu lernen. Das habe ich auch geschafft.
Ich hatte gedacht, ich brauche dafür die vollen fünf Tage und habe keine ZEIT, die anderen Teilnehmer kennenzulernen.
Nach zwei Tagen Denken war ich mit meinen Themen durch- dann hat hat mich allerdings die Hitze so in die Knie gezwungen, daß ich dann zweieinhalb Tage schaukelnd auf dem Dromedar sitzend eine neue Dimension der Wüste kennen lernen durfte. Damit hätte ich nicht gerechnet. Nachteil: Ich war wieder von der Gruppe getrennt.
Man kann sagen, die Wüste hat mich voll erwischt. Nicht nur dass es dort zu heiss für mich ist. Als ich wieder zuhause war, habe ich gemerkt, wie dieser kleine Fleck der Erde mich bereichert und inspiriert hat.
Es gäbe soviel zu erzählen von Vielfalt, Erfahrungen mit der Natur und seinem eigenen Körper, mit Menschen, die einfach aus den Tiefen der Wüste auftauchen und dorthin auch wieder verschwinden, über Gewohnheiten, die wichtig sind, über Kommunikation und …
Das alles wird in einer wunderbaren, persönlichen und professionellen Art von Florian begleitet!

Jan R.

am ende der welt – in ibo

Letzte Woche habe ich Jörg getroffen. Er mir eine schöne Geschichte zum Thema: Wann hast Du das letzte Mal etwas zum ersten Mal getan erzählt hat. Eine Geschichte über sich selbst. Mehr als 10 Jahre zuvor hatte er seinen Job in Deutschland an der Nagel gehängt und sich auf sein Fahrrad gesetzt und ist fortan Richtung Süden gefahren. Ich habe ihn im südlichen Ostafrika auf einer kleinen Inseln in einem verfallenen und fast vergessenen portugiesischen Städtchen, welche viele als geheime Perle im indischen Ozean bezeichnen, getroffen.

Wie bitte? Wo? Weshalb? Wie Du eventuell bereits in vorangegangenen Beiträgen gelesen hast, reise ich zur Zeit wieder ein wenig. Während der Wahlen in Tansania und somit auch Sansibar haben wir uns ins südlich gelegenen Moçambique, ein Land der gut versteckten und bezaubernden Mysterien begeben. Währenddessen verliefen die Wahlen nicht wirklich reibungslos, wurden annulliert und im Januar wiederholt, aber darüber schreib ich ein anderes mal.
Aus Europa kommend wirkt ja Marokko bereits wie aus einer Zeit. Der Unterschied zu Tansania ist allerdings noch einmal genauso gross. Und nun Mocambique. Obwohl ein Nachbarland Tansanias wirkt es teilweise wie aus einer anderen Welt. Das Armutsgefälle nimmt sogar noch einmal zu. Das meist kein Englisch und auch häufig kein Kisuaheli gesprochen wurde und mein Portugiesisch nicht vorhanden ist, ließen den Unterschied sogar noch größer wirken.
Als Land musste Moçambique ja nicht nur gegen eine, sich erst sehr spät zurück ziehende, Kolonialmacht kämpfen, sondern im Anschluss an die Unabhängigkeit auch noch gegen eine von Apartheidgedanken beförderte Einmischung Rhodesiens und Südafrikas. Dies führte zu einem Jahrzehnte andauernden Bürgerkrieg, der eigentlich als Stellvertreterkrieges gesehen werden müsste. Seit dem Ende dieses Krieges 1994 musste das gesamte Land sozusagen aus den Trümmern des Krieges wieder neu aufgebaut werden. Und das zieht sich nach wie vor.
Nachdem wir nach Pemba, im Norden Moçambiques geflogen sind und uns wunderten wie wenig sich in 4 Jahren verändern kann bzw. sogar vieles weiter verfällt, nahmen wir den lokalen Bus Richtung Quirimba Nationalpark im Norden. Da man sich hier eher an Südafrika als am Sonnenstand orientiert, geht bereits kurz nach 4 die Sonne auf, dafür ist es um 5 Uhr nachmittags bereits wieder dunkel. Unser Bus fuhr also 4:30 Uhr los. Das heisst er fährt erst einmal eine Stunde durch die Stadt, um eventuell noch alle Sitzplätze zu füllen und dann irgendwann los. Da man vorher nicht weiss wie lange der Bus noch durch die Stadt tingelt, ist es wirklich besser bereits um 4:30 Uhr da zu sein, um den Bus zu erwischen.
Für die nächsten 5 Stunden ging es zur Hälfte über Teerstrassen, zur Hälfte über Sandpisten ca. 120km in den Norden. Nur wenige Siedlungen mit vereinzelten Häusern lagen am Wegesrand. Der Rest bestand aus trockenstem Busch dem man das nahende Ende der Regenzeit ansah.
Als wir schließlich den kleinen Ort, an dem wir eine Fähre bekommen wollten erriechten, gab es natürlich kein Wasser: Ebbe. Demzufolge auch keine Fähre und auch diese stellte sich nach einigen Stunden warten lediglich als traditionelle arabische Dau heraus in die einfach mit so vielen Menschen, Gepäck und einem Motorrad bepackt wurde, bis uns nur noch Zentimeter zur Wasseroberfläche trennten. Nun ja, ich kann ja schwimmen… und auf ging es durch die Mangroven hin zur verfallenen ehemaligen Hauptstadt der Nordprovinz, damals bedeutenden Handelsstadt, dem Zentrum der Quirimbas: Ibo.
Seitdem der Hafen von Ibo endgültig nicht mehr genug Tiefgang für die einlaufenden Schiffe hatte und somit nach Pemba verlegt wurde geriet die Stadt immer weiter in Vergessenheit und der portugiesische Charme bekam erst Patina und zerlegte sich dann zusehends in Sand und Schutt. Eine Stadt der Ruinen, die Hauptstrasse aus Sand, verlassene Bürgersteige und umrankte verfallende Häuser. Ein malerisches. Überbleipsel einer vergangenen Zeit.
Vereinzelt haben in den letzten Jahren einige Häuser einen neuen Eigentümer gefunden und wurden liebevoll restauriert.

Hier habe ich Jörg getroffen.

Nachdem er nämlich vor über 10 Jahren mit einem Freund auf ihre Fahrräder Richtung Süden gestiegen ist, sind über den Balkan, die Türkei, Ägypten, Sudan, Äthiopien, Kenia, Tansania bis nach Moçambique gestrampelt. Später noch bis nach Südafrika. Zwei Jahre warenunterwegs mit vielen Zwischenstopps an Plätzen, die ich nicht mal auf der Landkarte finden würde unterwegs.
So kamen sie mit ihren Rädern irgendwann und irgendwie (wahrcheinlich mit derselben alten Dau) nach Ibo und trafen im Schatten einer absoluten Sonnerfinsternis die Entscheidung, dass sie hierher wohl wieder zurückkehren müssten. Das taten sie auch. Zwei Jahre später, nach Zeit in Maputo und Südafrika und Beendigung ihrer 12.000km Fahrradtour.
Sie kauften sich darauf hin eines der verfallensten Häuser, welches allerdings die schönsten und größten Bäume der Insel auf dem Grundstück hatte. Zwei massive alte Mangobäume stehen vor dem Eingang und sie nannten es Miti Miwiri (zwei Bäume). Nach weitere zwei Jahren der Restauration und des Aufbaus haben sie sich einen der schönsten Plätze auf Ibo und ein exzellentes Boutique Hotelgeschaffen.
Schöne Fotos Miti Miwiri und Ibo gibt es auf übrigens auf deren Facebook Profil.

All das konnte nur passieren, weil da jemand in Heilbronn auf sein Fahrrad steigt und sich nicht mehr um Konventionen und Erwartungen anderer schert sondern beschließt seinem Herzen zu folgen. Die beiden sind ihrer Passion gefolgt und sind der Welt offen und neugierig entgegen getreten und sie haben, ohne einen Plan dahinter zu kennen, die Möglichkeiten genutzt, die sich ihnen gegeben haben.
Vor einen paar Jahren noch haben Freunde und Familie die beiden für verrückt gehalten, heute machen sie bei Ihnen Urlaub.
Natürlich hatten sie ihre harten Zeiten und es war und ist nicht alles einfach aber die beiden leben ihren Traum! Jeden Tag aufs Neue.

Kennst Du diese innere Stimme? Hör doch mal auf sie?

‚berliner winter’ oder ‘summer in melbourne’

Es ist nicht wichtig, was Du bisher gemacht hast, sondern wer Du bist und sein möchtest!

Ich freue mich heute ein Interview mit einer Freundin, Lisa, zu führen. Lisa hat mich dieses Jahr beeindruckt, weil sie ihren „sicheren“ Job gekündigt hat und sich mit 30 entschlossen hat ihr Leben noch einmal aus einem ganz anderen Blickwinkel zu betrachten. Dies hat sie wortwörtlich genommen und ist für eine Weile nach Australien gezogen. Alleine mit diesem Schritt hat sie viel Leichtigkeit in ihr Leben gelassen.

Hallo Lisa, wo bist Du momentan?
In Melbourne, genauer gesagt Middle Park. In einem Haus fast am Strand.

Machst Du Urlaub?
Nee, nicht wirklich. Eher Arbeitsferien, also working holiday. Als Tourguide für Chocolate und Cupcake Touren, als Kellnerin in einem Café und demnächst auch im Verkauf im Weihnachtsgeschäft. Ich wollte mal raus aus dem gewohnten deutschen Trott. Weg von all dem Druck mit Bürostühlen, Familienplanung und Eigentumswohnungen…was Neues sehen und schauen, was das Leben am anderen Ende der Welt so mit sich bringt…

Wohnst Du nicht eigentlich in Berlin und hast einen Job in Potsdam?
Ja, ich komme aus Berlin. Und bis Ende Juni habe ich beim Collective Leadership Institute gearbeitet.

Weshalb arbeitest Du dort nicht mehr?
Es hat nicht mehr gepasst. Ich hatte das Gefühl, dass der Stempel Berufsanfänger für immer auf meiner Stirn klebt. Es war vor 3 Jahren meine erste Stelle nach der Uni. Und ich hätte mir gewünscht, dass wir unsere Konzepte mehr nach Innen leben. Irgendwann habe ich mich gefragt, ob ich wirklich glücklich bin mit dem, was ich da jeden Tag 12 Stunden tue, die 3 Stunden Pendeln zwischen Berlin und Potsdam eingerechnet. Die Antwort hat mich dann zum Kündigen bewogen.

Verstehe ich das richtig, Du hast gekündigt ohne vorher eine Alternative zu wissen?
Ich habe gekündigt, ohne einen neuen Job in Aussicht zu haben, ja. Ich wollte einfach mal nicht wissen, wie es weiter geht. Statt jeden Tag für 9 Stunden ins Büro zu gehen. Parallel zu meiner Kündigung habe ich mit drei anderen ehemaligen Kolleginnen Happy Works gegründet. Wir bieten Produkte und Dienstleistungen für mehr Arbeitszufriedenheit. Denn schauen wir alle auf unsere Erfahrungen in den letzten Jahren zurück, ist die Essenz: Die meisten von uns verbringen wahnsinnig viel Zeit auf der Arbeit und tun viel zu wenig dafür, dass unsere Arbeitszeit glückliche Lebenszeit ist. Und dabei haben wir es selbst in der Hand: die Art, wie wir unsere Arbeit machen, wie wir mit Kollegen kommunizieren, wie wir unseren Tag strukturieren. Es war ein AHA-Erlebnis, als mir klar wurde, dass ich zu einem großen Anteil selbst dafür verantwortlich bin, wie mein Arbeitumfeld aussieht. Wenn ich die richtigen Methoden an der Hand habe, kann ich aktiv gestalten. Das wollen wir mit Happy Works vermitteln. Natürlich gibt es dabei auch Grenzen. Deswegen mag ich das Motto: „Love it, change it or leave it.“ Wenn das Gefühl etws verändern und mitgestalten zu können nicht mehr da ist, dann hilft manchmal nur noch Gehen, so wie bei mir.

Warst Du nicht unsicher? Hattest Du keine Angst nicht mehr genügend Geld zu haben?
Klar habe ich auch gezweifelt. Aber ganz ehrlich: Mein Herz hat irgendwann angefangen immer dann einen Sprung zu machen, wenn ich an die Kündigung gedacht habe. Das ist dann wohl ein eindeutiges Zeichen. Die endgültige Entscheidung habe ich getroffen als ich mit Euch und der Emma in Marokko unterwegs war. Entspannen, die Landschaft an sich vorbeiziehen sehen, neue bunte Eindrücke gewinnen – und dann war es plötzlich glasklar.

Und dann bist Du nach Melbourne gegangen ohne Dir stattdessen einen neuen Job zu suchen?
Genau. Fast ohne Geld und definitiv ohne Ahnung, was mich erwartet. Ich habe oft gezweifelt, ob das wirklich eine gute Idee ist und wie das alles werden soll. Aber dann hat interessanterweise meine Mutter mir einen Stups gegeben als sie meinte: „Lisa, man merkt, dass Du älter wirst. Früher wärst Du einfach losgeflogen. Warum jetzt so zögerlich? Du weißt doch, irgendwie geht es immer weiter.“ Da dachte ich: „Was, ich verhalte mich mit 30 wie eine alte Schachtel? Nee, los geht’s…“

Weshalb Australien?
Ich wollte weit weg. Und irgendwo hin, wo Englisch gesprochen wird. Ich habe hier eine gute Freundin. Sie hat mich dazu ermuntert sie endlich hier zu besuchen. Und 7 Wochen Ferien fand ich eine verlockende Aussicht.

Du hattest also zuerst vor nur 7 Wochen zu bleiben? Was ist dann passiert? Was hat Dich in oder an Melbourne begeistert?
Melbourne ist ein bisschen wie Berlin am Meer. Das habe ich mir schon immer gewünscht. Und nach den 7 Wochen hatte ich das Gefühl, mit dieser Stadt noch nicht fertig zu sein. Es gibt wahnsinnig viel zu entdecken. Nicht umsonst wurde Melbourne schon mehrmals hintereinander zur lebenswertesten Stadt der Welt gewählt: viktorianische Prachtbauten, Wolkenkratzer, Einwanderer von überall, kulinarische Überraschungen, perfekte Sonnenuntergänge, Possums, Sauvignon Blanc, Meeresrauschen…diese Liste kann ich endlos weiterführen…Und ehrlich gesagt ist es auch schön mal einen Berliner Winter auszulassen. Ich konnte mich nach den 7 Wochen noch nicht darauf einlassen, wieder in Berlin zu sein und die Jobsuche zu beginnen. Ich wollte mehr Leben und weniger Vorhersehbarkeit.

Gab es einen speziellen Moment, in dem Du Dir überlegt hast, es einfach ein paar Monate lang darauf ankommen zu lassen?
Nein, das ist eher mit der Zeit entstanden. Da sind wahrscheinlich viele Sachen zusammen gekommen. Dass ich nach der Kündigung keine berufliche Verpflichtung mehr hatte und auch privat gerade total ungebunden bin. Dass hingegen die meisten Menschen in meinem Umfeld mit Kinderkriegen und sesshaft werden beschäftigt sind. Weil das für mich gerade nicht ansteht, hat es mich in die Ferne gezogen.

Was ist Dir überhaupt wichtig um glücklich und zufrieden mit Dir und Deinem Leben zu sein? Darüber habe ich in den letzten Monaten oft nachgedacht. Momentan ist meine Antwort: Gesundheit; ein soziales Netzwerk mit guten Freunden und Familie; so viel Geld, dass ich mir immer wieder mal einen meiner Wünsche erfüllen kann; leckeres Essen; Natur; bunte Farben; gute Gespräche und ganz wichtig: tagtägliche Bewegung und Herausforderungen für Körper, Geist und Seele.

Vermisst du etwas? Dein Zuhause?
Ja, ich bin schon ziemlich heimatverbunden. Und das hat in meinem Fall auch wirklich etwas mit Geographie zu tun. In den letzten Wochen sind mir viele Menschen begegnet, die das ganz anders empfinden. Für sie ist der Mensch ein Nomade, der überall hingehen kann. Das kann ich für eine begrenzte Zeit sehr gut verstehen. Aber auf Dauer würde mir hier in Australien wahrscheinlich das Gefühl fehlen, wirklich dazu zu gehören. Wer hat hier in seiner Kindheit schon über Benjamin Blümchen oder Pumuckl gelacht?

Was bedeutet Zuhause und Heimat für Dich?
Ganz viele Dinge, die mein Herz höher schlagen lassen: Familienessen, der Geruch von nassem Laub und Herbstäpfeln, in einem See schwimmen in Brandenburg, „Schüttkartoffeln“, Wein, Weihnachtsplätzchen, stundenlange Gespräche mit langjährigen Freunden, sich verstanden fühlen…Geborgenheit…sich fallen lassen…eine Komfortzone.

Welche Reaktionen kamen von Deinen Freunden und Deiner Familie, als du deine Rückkehr auf nächstes Jahr verschoben hast?
Die haben sich alle für mich gefreut. Und wenn nicht, dann haben sie es gut versteckt.

Glaubst du, dein Aufenthalt in Australien wird dich prägen oder verändern?
Klar. Definitiv prägen. Ob verändern kann ich noch nicht sagen. Das können dann andere nach meiner Rückkehr vielleicht am besten beurteilen.

Was würdest du gern aus Australien und Deiner Erfahrung mit nach Deutschland und in die Zukunft nehmen?
Dass es immer irgendwie weiter geht. Und die Freundlichkeit und Leichtfüßigkeit vieler Menschen hier in Melbourne. Dass es nicht wichtig ist, was Du bisher gemacht hast, sondern wer Du bist und sein möchtest.

Hast Du schon einen Plan für Deine Zeit nach Australien?
Ich werde erstmal für ein paar Tage Euch und andere Freunde in der Schweiz besuchen. Den Winter nochmal so richtig mitnehmen. Und dann mit dem Schwung des Frühlings einen neuen Job in Berlin suchen.

Meinst Du ein Plan ist überhaupt wichtig?
Ja, für mich schon. Zumindest hilft es mir wenn ich weiß, was ich mir für die nächsten Monate vornehme und wünsche. Dass das Leben dann auch etwas ganz anderes mit uns vorhaben kann – darauf bin ich mittlerweile vorbereitet…

Danke Lisa. Ich wünsche Dir noch eine richtig gute Zeit und freue mich auf gemeinsame Abende in der Schweiz.