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lehren aus stonetown

2013 hatte ich die Idee, dass es mir gut tun würde, einmal eine Weile weit weg zu arbeiten. Ich war es satt jeden Tag dasselbe zu sehen. Für meine Arbeit, bei der ich mit Menschen in ganz Europa kommuniziere, ausgerechnet in einen ganz bestimmten Raum in Berlin (mein Büro) zu gehen, demotivierte mich insbesonders. Auch meine Gesprächspartner konnten ja schließlich irgendwo anders sein. Ich erreichte den Punkt, dass ich meine Arbeit nur noch für das Geld und nicht mehr für mich selbst machte.

Dabei habe ich damals, genauso wie auch heute noch, stets nach einem tieferen Sinn gesucht. Mit dem was ich tue, möchte ich etwas Besonderes tun. Ich hatte mir deshalb vergangenen Winter vorgenommen mir einen Traum zu erfüllen. Ich wollte eine Weile von einem der bezauberndsten Orte der Welt arbeiten: Sansibar.
Das ist nämlich genau der Punkt. Ich arbeite gerne. Ich möchte nur nicht das Gefühl haben, mein Leben zu verpassen, während ich arbeite. Ich glaube, dass ich mich immer wieder auf meine innere Motivation berufen muss, um mit dem, was ich tue, wirklich gut zu sein und potentiell auch einen Unterschied zu machen.
Ausserdem habe ich mir gedacht, dass mir ein externer Blick auf meinen Arbeitsalltag sicherlich hilft, um zu entdecken, was mir wirklich Spaß macht und was nicht. Nach einer dreiwöchigen Reise durch den Norden Tansanias, bin ich am 25. Dezember mit der Fähre zurück nach Sansibar um in Stonetown (Sansibar City) den folgenden Monat zu verbringen und von dort zu arbeiten. Dort wollte ich sein. Ich hatte ausreichend Zeit und keine Verpflichtungen, doch es viel mir so schwer mit meiner Arbeit zu beginnen. Was mache ich denn als erstes, wenn es eigentlich alles sein könnte und nur an meiner Priorisierung liegt, was gerade jetzt am wichtigsten ist.
Ausserdem konnte ich den Tag nicht einfach mit einer üblichen Routine beginnen und mich langsam einarbeiten. Wie ich schnell herausfand, ist Stonetown zwar faszinierend, bietet aber gleichzeitig quasi keinen Raum, wo ich ungestört und komfortabel arbeiten konnte. Ich hatte mir ein recht kleines Zimmer gemietet und dort gab es nicht wirklich Fenster mit Aussicht. Die Fenster, die es gab, waren klein, hatten Gitter davor und waren mit Moskitonetzen bespannt. Zum hindurchsehen eignete sich das nicht. Allerdings wäre auch das überschätzt gewesen, denn ungefähr 1,5 Meter entfernt steht auf der „anderen Strassenseite“ das Nachbarhaus. Nicht gerade ein inspirierender Blick.
Wollte ich drinnen arbeiten, musste ich die Neonröhren anschalten, weil es sonst zu dunkel war. Neonlicht trug bei mir allerdings auch nicht zum unmittelbaren Wohlfühlerlebnis bei. Neben meinen Laptop lag stets ein Handtuch. Ich habe nämlich beim Tippen so geschwitzt, dass meine Arme irgendwann anfingen wild auf dem Tisch hin und her zu rutschen.
Ich wollte draussen sein, ich wollte draussen arbeiten. Ich hatte einen Laptop mit ausreichend Batterie, ich hatte einen Internet Stick und eine lokale UMTS Karte um sogar online arbeiten zu können. Doch so funktioniert das Arbeiten in Afrika halt nicht… einfach so mit dem Computer in irgendeinen Park oder am Strand arbeiten. Erstens gab es keine Parks, zweitens gab es keinen Strand mit Schatten. Drittens: falls ich doch einmal einen öffentlichen Platz gefunden hatte, an dem ich dachte, es wäre doch toll einmal eine Weile an diesem zu arbeiten, versammelten sich direkt mehrere Personen, die mich entweder in ein Gespräch verwickeln wollten oder sich quasi auf meinen Schoß legten um besser auf den Bildschirm schauen zu können.
Mir war schnell klar, dass ich irgendwo, irgendwie anders arbeiten musste. Dachterrassen, obwohl es davon eigentlich genug hätte geben können, sind auf Sansibar (eigentlich in ganz Afrika) nicht wirklich verbreitet. Vielleicht zieht es einen ja nicht mehr so in die Sonne, wenn diese das ganze Jahr scheint.
Also für mich hieß das, dass die Dachterrasse auch ausfällt. Ich habe deshalb ein Café nach dem anderen ausprobiert und bin viel zu Fuß unterwegs gewesen um neue Plätze kennen zu lernen. Wie du dir vielleicht vorstellen kannst, hat mich das in den ersten Tagen ziemlich frustriert. Das hatte ich mir so nicht vorgestellt. Jeden Morgen musste ich mir als erstes Gedanken darüber machen, wo ich denn wohl hingehe, um ein wenig in Ruhe zu arbeiten und endete meist unschlüssig durch Stonetown schlendernd. Dabei habe ich mich dann auch noch jedes Mal hoffnungslos verlaufen. Ich bin dann so lange in dieselbe Richtung gelaufen (oder habe das zumindest versucht) bis ich entweder einen Punkt erreicht hatte, den ich bereits kannte oder das Ende Stonetowns. Dann konnte ich einfach so lange aussen herum laufen, bis ich die dem Wasser zugewandte Seite erreicht hatte oder/und wieder wusste wo ich war. Es ist schon lustig, wie sehr mein Gehirn damit beschäftigt war, sich endlich meinen Heimweg merken zu können. Ich war vollständig damit ausgelastet, die Umgebung im Auge zu behalten und mir Dinge zu merken, an denen ich mich orientieren konnte, damit sich neue Routinen einprägen und meine Spaziergänge wieder einfacher werden würden. Unser Gehirn versucht die ganze Zeit zu vereinfachen und möglichst viele Alltagssituationen im Autopiloten zu speichern. Das erleichtert viel, kann uns allerdings auch einschränken, wenn wir uns der Automatismen nicht bewusst sind.
Langsam lernte ich wann es wo schön ist, wie ich dorthin und auch wieder wegkomme. Ich wusste,  wo es Kaffee gab, auch wo es leckeren Kaffee gab, wo ich eine Weile sitzen bleiben konnte und wo ich schön den Sonnenuntergang genießen konnte und dabei noch den einen oder anderen Artikel zu Ende schreiben konnte. Meine Tage wurden entspannter und meine Konzentration konnte sich mehr und mehr meinen Arbeitsthemen widmen.
Als ich nach Sansibar kam, wollte ich unbedingt meine Routinen loswerden. Ich dachte, dass diese mich am glücklich Arbeiten hindern. Doch als sich dann alle Routinen in Luft aufgelöst hatten, wurde ich plötzlich unsicher. Es war auf einmal nicht mehr sicher, wo ich schlafe, ob ich schlafe (Stromausfall/Ventilator), ob ich frühstücke und was, was ich ansonsten esse, wo und ob ich Internetempfang habe, ob ich nach dem Laufen duschen kann oder es wieder kein Wasser gibt…
Dann fing ich bzw. mein Unterbewusstsein langsam an wieder neue Routinen aufzubauen und als ich schließlich wieder richtig im Flow war, flog ich zurück.
Wenn ich jetzt auf diese Zeit zurückblicke, realisiere ich, dass dies das Beste war, was ich diesen Winter hätte machen können. Denn viele der Sansibarroutinen sind ja nicht aus versehen entstanden, sondern weil sie mir dabei halfen, genau das zu tun was ich mir wünschte. Ich habe eine klarere Vorstellung davon gewonnen, wie ich arbeiten möchte und was ich tun möchte. Einige der neuen Routinen sind mir so klar, dass ich diese mitgenommen habe und an neuen Orten ebenfalls schnell etablieren kann. Ich arbeite so viel effizienter als jemals zu vor und es geht mir dabei so gut wie selten.

In Stonetown habe ich gelernt:

  • Ich hasse Routinen
  • Ich brauche Routinen
  • Ich könnte immer über etwas meckern
  • Es ist meine eigene Entscheidung ob ich das Positive sehe oder nicht
  • Nichts ist perfekt
  • Alles ist perfekt für den Moment
  • Wenn ich weiss was ich will, kann ich es schaffen
  • Vergiss Deine Erwartungshaltung und lebe JETZT

Was ein bemerkenswertes Leben bemerkenswert macht, sind nicht welche Chancen sich Dir bieten, sondern was Du aus diesen Chancen machst!

Falls es dich auch interessiert ohne Büro zu arbeiten habe ich alle meine Erfahrungen aus Stonetown in diesem Webinar zusammengefasst.

over

ohne worte:

it is such a boring place… and that is the point

Next Sahara Experience starts on April 16th and there are only three places left. Here is some inspiration from the school of life:

was ist simplicity

Ich bin vor ungefähr 1 1/2 Jahren auf diese Idee gestoßen. Ich hinterfragte gerade mich und das Leben im Generellen und habe viel darüber nachgedacht, was ich mit meinem Leben eigentlich anfangen will. Dabei bin ich auf die verrückte Idee gekommen ein richtiges Abenteuer zu erleben und deshalb zu Fuß und alleine in die Sahara zu gehen. Das besondere am Gehen ist, dass ich alles, was ich mitnehme, tragen muss. Dadurch sind der Gepäckmenge gewisse physikalische Grenzen gesetzt und ich musste mir Gedanken machen, was ich denn wirklich brauche.

Während meiner Nachforschungen was Andere so auf Solotouren mitnehmen und was wichtig ist, bin ich auf das Konzept des minimalism/simplicity aufmerksam geworden. Ich mochte es. Alle schrieben darüber, wie viel Last von ihren Schultern gefallen ist und wie viel glücklicher sie waren. Es wirkte so simpel. Einfach alles loswerden was ich eh nicht brauche und schon ist auch der meiste Stress weg. Hab ich zumindest gedacht… Später habe ich herausgefunden, wie schwierig es mir fällt mich von Dingen zu trennen, weil sie emotional aufgeladen sind und mit irgendwelchen Glaubenssätzen verknüpft.
Nachdem ich aus der Sahara zurückgekehrt war, fühlte ich mich allerdings schlichtweg erschlagen von dem ganzen Zeug, dass ich so besaß. Da ich Anfang des Jahres de facto bei meiner Freundin eingezogen war und ich nun meine eigene Wohnung ausräumen wollte, hatte ich mich entschlossen, nur die Dinge mitzunehmen, die ich wirklich brauchte. Also habe ich mich bei allem gefragt: Wann habe ich das das letzte Mal benutzt und habe ich es zu irgendeinem Zeitpunkt vermisst?
In den meisten Fällen war die Antwort einfach: Weiss ich nicht und NEIN!

Also, verkaufen und verschenken! Ebay wird sich sehr gefreut haben.

Eine der websites, die mich während dieser Zeit stark beeinflusst hat war [the minimalists](http://www.theminimalists.com). Die beiden Jungs, Joshua und Ryan, die zufällig beide genau so alt sind wie ich und eine vergleichbare story haben beschreiben unter anderem ihre ’21 days journey’ zum [minimalism](http://www.theminimalists.com/21days/):

Die Website ist auf english aber ich denke der Inhalt ist ganz gut verständlich. Das hier ist ein Auszug:

It is amazing to realize that we often don’t need the things we think we need. And it’s equally amazing to think about what the true cost of these things are. The dishwasher from yesterday is one example. But everything we buy has extra costs associated with them, not just the price on the price tag. They cost you money, which cost you time to earn. They cost you more time to take care of (e.g., wash your car, clean your furniture, etc.). They take up extra space in your house or apartment, which costs you more money because you need to procure extra square footage just to hold all of your shit.

The things we think we need…

That electronic gadget you wanted so bad six months ago? You know, the one you don’t ever use. What’s that? It’s in a junk drawer or a closet? Really?

Or how about that shirt you just “had to have” last season? How’s that working out for you? Couldn’t live without it, right?

That new car? Great, huh? How many more payments left? Oh, really? Just 42 more? At least it has leather seats that warm your ass on your long drive home from your eleven hour workday, the workday you’re forced to return to tomorrow so you can continue to make those car payments.

The bottom line? It’s all just stuff. And you don’t need it.

But because you have it doesn’t make you a bad person; it just means that your priorities are out of whack. Believe me, we know; our priorities have been out of whack for quite some time. But our journey into minimalism has helped us re-prioritize; it has helped us focus on what’s important. That pair of shoes you put on layaway just isn’t important.