weshalb EMMA?

Warum, ja warum nur die Emma? Wir hatten zwei gut bezahlte Jobs in Berlin, eine schicke Wohnung, die nicht nur günstig gelegen war, sondern außerdem einen Südbalkon mit Blick über Schlesischen Busch und Treptower Park bot. Wir hatten alles, was wir uns von einem angenehmen Stadtleben wünschten. Alles uns wichtige war fußläufig erreichbar. Regio- und Bioläden, außerdem internationale Restaurants. Freunde und unendlich viele Möglichkeiten etwas zu unternehmen. Warum würde jemand das alles aufgeben?

Nun ja. Ich kann Dir zumindest sagen, weshalb wir vor einem Jahr die Entscheidung getroffen haben, dies alles hinter uns zu lassen. Wir lieben beide das Reisen und haben schon ein wenig von der Welt gesehen. Wir mögen Berlin und haben unser Leben dort genossen. Gleichzeitig teilten wir aber auch das Gefühl, dass da noch mehr sein muss. Je mehr wir von der Welt gesehen haben, umso klarer wurde uns, dass das meiste noch vor uns lag und es noch so viel zu entdecken galt. Das Leben ist so unglaublich vielfältig, dass uns ein Ausharren in ein und demselben Umfeld wie ein Gefangensein vorkam.
Das Leben ist eine Reise. Es geht um die Veränderung im Laufe der Zeit. Die Zeit steht nicht still. Sie ist zwar immer genau jetzt, aber schon einen Augenblick später ist es auch schon wieder vorbei. Die Zukunft rast auf uns zu und alles verändert sich immerzu.
Die Vorstellung einen Status quo festzuhalten ist eine Illusion. Die Zeit läuft weiter. In dem Augenblick, in dem wir uns nicht mehr verändern, sind wir tot. Da wir das noch nicht sind, wollen wir selber über unser Leben bestimmen und nicht so wie es irgendeine Routine oder Gewohnheit von uns verlangt.
Dieser starke Drang nach persönlicher Freiheit ließ uns aus den Gepflogenheiten ausbrechen. Freiheit bedeutet mir, so wenig wie möglich von Anderen abhängig zu sein. Die meisten Menschen, die ich kenne (mich eingeschlossen) machen sich im Laufe Ihres Lebens von irgendwelchen finanziellen Verpflichtungen abhängig. Wer sich in der Vergangenheit gebunden hat, muss dafür heute gerade stehen. Dazu gehören Miete, Flatrates, Abonnements und Kredite.

Deshalb haben wir vor einem Jahr vier Entscheidungen getroffen.
1. Wir haben laufende Verträge gekündigt (Miete, Handy, Internet) und haben zu EMMA und prepaid gewechselt
2. Wir haben unsere Jobs gekündigt bzw. auf halbtags und Homeoffice umgestellt
3. wir haben einen 45 Jahre alten historischen Camper gekauft, der sozusagen noch analog funktioniert um so viel wie möglich selber und unterwegs reparieren zu können
4. Wir begannen zu reisen und unser Homeoffice immer dabei zu haben

Es war schon unglaublich wie viel Zeit ich auf einmal hatte nachdem ich meine Comfortzone verlassen habe. Soviel meiner Zeit war davor dominiert von Routinen, die mir allerdings gar nicht mehr aufgefallen sind. Obwohl ich bis dahin schon der Meinung war sehr flexibel zu sein, hat es mich total umgehauen, wie viel Zeit ich gewonnen habe, dadurch dass ich kaum noch Dinge besitze um die ich mich kümmern muss.
Mit so wenig Ablenkung sind mir ziemlich viele Dinge aufgefallen, die ich schlichtweg hasse. Das meiste davon wurde mir bewusst, nachdem ich es zurück gelassen habe. Da ich mich nun nicht mehr darüber aufregen brauchte, begann mein Geist sich darauf zu konzentrieren, was ich denn in meinem Leben so wirklich schätze:

  • Laufen
  • Natur
  • Schreiben
  • Unterrichten
  • Ruhe
  • Frieden
  • Ausgeglichenheit

Ich mache mir seitdem ständig Gedanken, wie ich davon mehr in meinem tagtäglichen Leben haben kann.

Je mehr ich sehe umso bewusster wird mir wie wenig ich weiß.
Das Leben ist eine Reise und ich bin unterwegs.

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