wir brauchen neue ideen

Immer wieder beschäftige ich mich gedanklich, aufgrund – nennen wir es einmal persönlicher Umstände – mit dem Thema Erbe. Erben, ist ja etwas Tolles. Auf einmal steht dem Erben Besitz oder Geld zu, weil… tja weil andere diesen erarbeitet, oder auch vor Jahrhunderten ergaunert haben. Mit einer Philosophie von Gleichberechtigung und Chancengleichheit lässt sich der Gedanke jedenfalls schwer vereinbaren.

Umso mehr freute mich ein Artikel in der Zeit über Peter und seinen Vater Warren Buffet den ich überwiegend zitieren werde. So sagt Warren beispielsweise: Er glaube nicht ans Vererben oder, wie er es ausdrückt, an „die glücklichen Gewinner der Spermienlotterie“. Über seine Kinder – Peter ist das jüngste der drei Geschwister – sagt er: „Sie hatten bereits einen gigantischen Vorsprung in einer Gesellschaft, die vorgibt, Wohlstand und Erfolg nach Leistung zu verteilen. Dynastische Megavermögen würden die Wettbewerbsbedingungen noch weiter verzerren.

Doch geht es Peter nicht nur um das Thema Erbe sondern vor allem auch darum, was Menschen mit einem enormen finanziellen Ungleichgewicht unternehmen und läßt dabei kein gutes Haar an westlichen Hilfsorganisationen.

In dem Artikel prangert Peter Buffett einen „Mäzenatenkolonialismus“ an. Als Insider dieser Branche erlebe er den Drang von Geldgebern, Menschen aus einem anderen Kulturkreis mit einer Patentlösung zu beglücken. „Egal ob Anbaumethoden, ob Ausbildungssystem, ob Wirtschaftsförderung – wieder und wieder habe ich erlebt, wie diese Leute einfach Konzepte von einem Ort auf den anderen übertrugen, ohne Rücksicht auf Kultur, Geografie oder gesellschaftliche Normen.“ Die Hilfe werde den Menschen viel zu oft einfach „übergestülpt“.

Doch weit schlimmer sei etwas anderes: Die Stiftungen der Industriellen und Finanziers mühten sich um Lösungen für Probleme, die sie und ihre Mitstreiter mit ihren kommerziellen Aktivitäten selbst angerichtet hätten. In gleichem Maße, wie die soziale Ungleichheit wachse, wachse auch die Wohltätigkeit. „Fast immer, wenn sich jemand besser fühlt, weil er etwas Gutes getan hat, wird auf der anderen Seite der Welt oder der Straße jemand tiefer in ein System gedrängt, das ihm keine Chance lässt“, sagt Buffett. Gutes zu tun mindere also an anderer Stelle den moralischen Druck, Schlechtes zu unterlassen.

Mittlerweile versucht Peter Buffet auf seiner Ökoranch ökologisch integriertes Wirtschaften zu etablieren. Frei nach dem Motto: Die Zukunft neu denken.

Denn die meisten Hilfsprojekte seien nichts weiter als eine „Gewissenswaschanlage“ für das obere eine Prozent der Bürger. Selbst an Mikrokrediten, oft als Hilfe zur Selbsthilfe gelobt, lässt Buffett kein gutes Haar: „Letztlich geht es immer darum, diese Menschen in unser System von Schulden und Zinsen einzubinden.“ Ziel sei es, die ganze Welt in einen einzigen großen Markt zu verwandeln. Buffetts Abrechnung gipfelt in der Forderung, die Spenden lieber dafür einzusetzen, neue Konzepte auszuprobieren, die unsere bestehenden Strukturen und Systeme zerschlagen. „Wir brauchen ein neues System.“

Buffett ist stolz auf die Welle, die er losgetreten hat. Der wiederkehrende Vorwurf, er sei ein Utopist, ist für ihn der schlagende Beweis dafür, dass er auf der richtigen Spur ist. Die Unfähigkeit, sich überhaupt vorzustellen, dass ein alternatives System möglich sei, ist für ihn der Kern des Problems. „Wir brauchen neue Ideen, neue Ansätze – wir brauchen jemanden wie Marx.“

Große Sprüchen für einen Begünstigsten des heutigen System. Wenn wir frei wählen könnten, wie sehe unser System der Zukunft aus?

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