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dankbar für den moment

Die letzte Woche habe ich mit Teilnehmern der dritten sahara experience in der Wüste verbracht. Meine Intention bei diesen Reisen ist, meinen Teilnehmern zu zeigen, wie anders das Leben sein kann. Ich vergesse selbst manchmal, dass ich genau genommen, alles was ich im Leben mache, aus freien Stücken und auf meinen eigenen Wunsch hin tue. Jedes mal, wenn ich eine Entscheidung treffe, könnte ich auch eine andere Entscheidung treffen, oder es komplett bleiben lassen. Ich müsste halt nur mit den jeweiligen Konsequenzen leben.

Ich denke dabei an die ganzen kleinen Momente, die wir uns anders wünschten und uns aus ganzem Herzen darüber beklagen, wie schwer wir es doch haben. Ich versuche mich immer wieder daran zu erinnern, wie schwierig auch immer die Situation nun sein mag, dass es mein freier Wille ist, wie ich mich nun in der jeweiligen Situation verhalte. Denn wie ich in die Situation hinein gekommen bin, kann ich für dieses Mal nicht mehr beeinflussen. Wir können allerdings in jeder Situation entscheiden wie es weiter geht.
Ich vergesse dabei immer wieder, um welche Lappalien es sich dabei eigentlich handelt. Alles was uns wirklich bedrohen kann, haben wir in unserer Welt ja sehr gut im Griff (denken wir). Wir können uns gerade so noch einen Stromausfall vorstellen und wenn drei Feiertage ohne geöffnete Geschäfte bevorstehen, neigen wir zu Hamsterkäufen. Das Schlimmste, was mir persönlich in meinem Alltag zustößt, ist eine zusammenbrechende Wifi-Verbindung. Selten denke ich an andere Menschen, die ausserhalb unserer Komfortzone leben und wie diese in ihrem täglichen Leben den Naturgewalten ausgeliefert sind.
Nachdem wir letzte Woche in M’Hamid angekommen sind, schien dort noch die Sonne. Allerdings nur, um uns kurz willkommen zu heissen und dann sofort dem aufziehenden Sandsturm zu weichen. Ich habe mir das Spektakel, im festen Glauben, dass es ein paar Stunden dauern wird, interessiert angeschaut und gefreut, dass es heute passiert und nicht morgen. Und siehe da zum Abend hin schwächte sich der Sturm ab. Womit ich nicht gerechnet hatte, aber zur Realität wurde, war, dass der Sandsturm jeden Tag aufs neue aufzog und unser ständiger Begleiter wurde. Es gab von nun an nur einen entscheidenden Unterschied. Wir liefen jetzt mitten hindurch und zwar immer in die Richtung aus der der Wind (und sämtlicher Sand) uns entgegen bließ. Nach und nach bekam ich ein Gefühl, dass sich nur sehr selten bei mir einstellt: ich fühlte mich hilflos. Ich habe es gehasst, Sand in den Augen zu haben, Sand in der Nase zu haben, Sand in meiner Lunge zu haben. Ich hätte mich so gerne versteckt. Eine Pause machen half auch nicht wirklich. Der Sand war ja eh überall. Essen zuzubereiten oder es zu essen ähnelte sehr einem Spiel im Sandkasten. Nachts ließ der Wind nach, nur um dann mit plötzlichen heftigen Böen eimerweise Sand in meinen Schlafsack zu befördern. Ich wachte morgens auf und kaute auf Sand. Es half alles nichts ausser schlichtweg stoisch zu werden. Einfach weitermachen und darauf hoffen, dass es irgendwann nachlässt. Am Abend des dritten Tages war es so weit. Der Himmel lichtete sich und wir hatten unsere erste sternenklare Nacht.
Schließlich hatten wir eine unglaubliche Reise und freuten uns umso mehr über entspannte klare Nächte und Musik am Feuer. Wir wussten ja jetzt, dass dies nicht selbstverständlich ist.
Und in etwa so ist es wohl auch mit allen Dingen. Es scheint nicht immer und überall die Sonne im Leben. Manchmal tauchen Schwierigkeiten auf und wir müssen harte Zeiten überstehen. Es hilft nicht, wenn wir uns vor diesen verstecken. Der einzige Ausweg ist sich den Problemen zu stellen und sich  irgendwie hindurch zu kämpfen. Wenn diese dann erst einmal hinter uns liegen ist es umso schöner, die Zeit zu genießen in der alles glatt läuft. Dann hast Du es Dir verdient und das fühlt sich toll an.
Wenn Du es schaffst, Dir diese beiden Sachen stets vor Augen zu führen, hast Du bereits einen großen Schritt zum glücklichen Leben geschafft.
Ich hoffe, dass ich mich, immer wenn es für mich gut läuft, daran erinnere, dass dies nicht selbstverständlich ist und ich es schaffe, immer dankbar für den Moment zu sein.
Jetzt sitze ich noch eine Woche in meinem „officeless office“ in Taghazout am Meer. Kein Sandsturm mehr, durch den ich laufen muss. Einfach nur viel Zeit zum Entspannen, Sport treiben, Organisieren, Planen und vor allem Schreiben.
Schön, dass ich hier bin.

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it is such a boring place… and that is the point

Next Sahara Experience starts on April 16th and there are only three places left. Here is some inspiration from the school of life:

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geniesse die ferien

Ich war den gesamten Dezember auf Reisen und habe versucht ein wenig Abstand zu gewinnen. Obwohl ich aufgrund der Vielzahl an gesammelten Eindrücken vielen neue Beiträge und Artikel vorbereitet habe, versuchte ich so viel wie möglich offline zu bleiben. Die letzten Wochen haben mich unter anderem nach Agadir, Ouarzazate, Zagora, Marrakech, Casablanca, Kairo, Dar Es Salaam, Zanzibar, Tanga, Lushoto, Moshi, Arusha, Ngorongoro, Serengeti und zurück nach Dar Es Salaam gebracht. Überwiegend mit dem Bus, aber dazu später mehr…

Heute in Dar Es Salaam habe ich meinen kleinen Freund auf dem Foto getroffen, der mich daran erinnert das hier und jetzt zu genießen. Ich werde deshalb übermorgen zurück nach Zanzibar reisen und meine Eindrücke vier Wochen sacken lassen. Ich genieße das ich hier bin und was ich tue.

Neue Beiträge wird es deshalb erst Ende des Jahres geben.
Ich hoffe Du findest während der Ferien die Zeit für Dich selber. Behandele Dich gut es ist Dein Leben.

Beste Grüße, Wärme und Sonne, Florian

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m’hamid unter wasser

Vor drei Wochen hatte ich mir noch gedacht, dass ich einfach nach Agadir fliegen werde, einen Nachtbus nach Zagora nehme und dann ein Taxi nach M’Hamid um meinen Freund Yahya zu besuchen und eine Woche in der Hitze der Sahara zu verbringen. Letztendlich landete ich im Regen am Atlantik, einem Surfer Hotspot, einem überfüllten Minibus in der Sahara, an einem Fluss wo es eigentlich keinen Fluss gibt, und drei von fünf Nächten im Bus oder Flugzeug sitzend.

Wie konnte das nur passieren? Wie ich meinen vorletzten Beitrag geschrieben habe, standen Großteile Südmarokkos unter Wasser und alle Straßen, die weiter in den Süden führten, waren geschlossen. Also blieb ich eine Tage in einem kleinen Surfer Hotspot namens Taghazout und arbeitete. Wie schön, in jedem zweiten Café „free wifi“ zu haben
Nachdem das Wetter besser wurde und die Sonne schon den zweiten Tag in Folge schien, wurden einige Straßen wieder geöffnet. Unter anderem eine in Richtung Ouarzazate und Zagora. Der nächste und damit auch der erste verfügbare Nachtbus war meiner. Obwohl ich in der Nacht fuhr und Marokko nachts stockfinster ist, konnte ich ab und an kaputte Brücken und Straßen sehen. Vor allem dann, wenn der Bus abseits der beschädigten Straße eine Zeit einfach auf einer Piste fuhr. Zu meinem Erstaunen musste ich dabei bibbernd feststellen, dass die marokkanischen Busse nicht nur ohne Klimaanlage im Sommer sondern anscheinend auch ohne Heizung im Winter fuhren. Ich habe mir also die ganze Nacht auf meinem Weg in die Wüste den Hintern abgefroren. In Zagora taute ich langsam wieder auf und machte mich auf den Weg zu den „Grand Taxis“. Normalerweise sind diese ja schon eine holprige und enge Angelegenheit, da diesmal aber zwei Brücken zwischen Zagora und Taghonite beschädigt waren, sah es danach aus, als ob ich gar nicht weiter kommen würde.
Zwei Marokkaner versuchten das Geschäft ihres Lebens zu machen und mir für richtig viel Geld einen Geländewagentrip nach M’Hamid zu verkaufen aber ich habe mir gedacht, wo es einen Weg für Geländewagen gibt, wird der normale Marokkaner auch einen ‚normalen‘ Wagen durchbekommen. Tatsächlich, eine umgebauter Mercedes Transporter mit Sitzen, Plastikstühlen und Holzplanken reichte mir und 21 Mitreisenden plus 1 Tonne Zeugs auf dem Dach als Offroadgefährt durch die Wüste. Für 2,80€ und innerhalb von drei Stunden kam ich gut durchgeschüttelt in M’Hamid an.
Ich hatte es geschafft und so unglaublich wie es sich für jeden anhört, der schon einmal dort war, war es auch. M’Hamid wurde durch einen hunderte Meter breiten und drei Meter tiefen Fluss zweigeteilt.
Dummerweise hatten sich die lokalen Behörden entschieden die einzige Furt/Brücke in dem Fluss, der eh seit Jahren trocken lag zu renovieren. Kaum war die alte Überquerung abgerissen, begann der Regen und der Fluss kam zurück.
Da der normale Wüstenbewohner weder schwimmen kann noch sich besonders im Bootsbau auskennt, gab es nun seit 10 Tagen keine Möglichkeit mehr von der einen Seite zur Anderen zu gelangen und 3000 Menschen waren so von der Lebensmittelversorgung abgeschnitten. Mittlerweile fuhren täglich Armeelaster mit Nahrung beladen einen 150km Umweg über die nächstgelegene Brücke auf die andere Seite des Flusses.
Ausserhalb des Ortes war die Wüste mit frischem Grün gesprenkelt und steinige Bereiche schienen mit grünem Samt überzogen zu sein. Selbst die höchsten Dünen waren bis zu Spitze klatschnass. Wenn ich nur die oberste Sandschicht weggestrichen habe, war der Sand dunkel und nass. Im Schatten oder bei bewölktem Himmel wurde es auch sofort unangenehm kalt. Sobald die Sonne abends unterging, musste ich alles anziehen, was ich dabei hatte und habe trotzdem noch gefroren. Selten habe ich mich so über meinen für 0°C ausgelegten Daunenschlafsack gefreut.
Das Dünencamp meiner Freunde wurde eine Tage zuvor geflutet, dabei zerstört und ist dann auch noch von dannen geschwommen. Die Schweizer, die währenddessen zu Besuch waren und in einem höher gelegenen Zelt übernachteten, riefen ihren Botschafter an und wurden am kommenden Tag von einem Helikopter evakuiert, während die Marokkaner noch einen Tag ausharrten und dann zurück nach M’Hamid wateten.
Offensichtlich hatten die Schweizer einer dringenderen Termin, den sie nicht verpassen durften.
Wir diskutierten noch bis spät in die Nacht, was bis zum Jahresende alles gemacht werden musste um das Camp wiederherzustellen. Die Weihnachtszeit ist die Hauptumsatzzeit und genau genommen ist das Camp schon ausgebucht.
So habe ich wieder lernen dürfen, dass alles eine Frage der Perspektive ist.
Was ist schon ein wichtiger Termin verglichen mit einer ganzen Existenz. Vor allem, wenn ich mir überlege wie viel teurer eine solche Evakuierung verglichen mit dem Neubau des gesamten Camps ist.
Und trotzdem ist alles, was meine Freunde dazu sagen:“Ich bin nicht happy und nicht traurig. Es ist so wie es ist und jetzt machen wir uns Gedanken, wie es weitergeht. Du weisst eh nie mit Sicherheit was morgen passiert…“

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‘berliner winter’ oder ‘summer in melbourne’

Es ist nicht wichtig, was Du bisher gemacht hast, sondern wer Du bist und sein möchtest!

Ich freue mich heute ein Interview mit einer Freundin, Lisa, zu führen. Lisa hat mich dieses Jahr beeindruckt, weil sie ihren “sicheren” Job gekündigt hat und sich mit 30 entschlossen hat ihr Leben noch einmal aus einem ganz anderen Blickwinkel zu betrachten. Dies hat sie wortwörtlich genommen und ist für eine Weile nach Australien gezogen. Alleine mit diesem Schritt hat sie viel Leichtigkeit in ihr Leben gelassen.

Hallo Lisa, wo bist Du momentan?
In Melbourne, genauer gesagt Middle Park. In einem Haus fast am Strand.

Machst Du Urlaub?
Nee, nicht wirklich. Eher Arbeitsferien, also working holiday. Als Tourguide für Chocolate und Cupcake Touren, als Kellnerin in einem Café und demnächst auch im Verkauf im Weihnachtsgeschäft. Ich wollte mal raus aus dem gewohnten deutschen Trott. Weg von all dem Druck mit Bürostühlen, Familienplanung und Eigentumswohnungen…was Neues sehen und schauen, was das Leben am anderen Ende der Welt so mit sich bringt…

Wohnst Du nicht eigentlich in Berlin und hast einen Job in Potsdam?
Ja, ich komme aus Berlin. Und bis Ende Juni habe ich beim Collective Leadership Institute gearbeitet.

Weshalb arbeitest Du dort nicht mehr?
Es hat nicht mehr gepasst. Ich hatte das Gefühl, dass der Stempel Berufsanfänger für immer auf meiner Stirn klebt. Es war vor 3 Jahren meine erste Stelle nach der Uni. Und ich hätte mir gewünscht, dass wir unsere Konzepte mehr nach Innen leben. Irgendwann habe ich mich gefragt, ob ich wirklich glücklich bin mit dem, was ich da jeden Tag 12 Stunden tue, die 3 Stunden Pendeln zwischen Berlin und Potsdam eingerechnet. Die Antwort hat mich dann zum Kündigen bewogen.

Verstehe ich das richtig, Du hast gekündigt ohne vorher eine Alternative zu wissen?
Ich habe gekündigt, ohne einen neuen Job in Aussicht zu haben, ja. Ich wollte einfach mal nicht wissen, wie es weiter geht. Statt jeden Tag für 9 Stunden ins Büro zu gehen. Parallel zu meiner Kündigung habe ich mit drei anderen ehemaligen Kolleginnen Happy Works gegründet. Wir bieten Produkte und Dienstleistungen für mehr Arbeitszufriedenheit. Denn schauen wir alle auf unsere Erfahrungen in den letzten Jahren zurück, ist die Essenz: Die meisten von uns verbringen wahnsinnig viel Zeit auf der Arbeit und tun viel zu wenig dafür, dass unsere Arbeitszeit glückliche Lebenszeit ist. Und dabei haben wir es selbst in der Hand: die Art, wie wir unsere Arbeit machen, wie wir mit Kollegen kommunizieren, wie wir unseren Tag strukturieren. Es war ein AHA-Erlebnis, als mir klar wurde, dass ich zu einem großen Anteil selbst dafür verantwortlich bin, wie mein Arbeitumfeld aussieht. Wenn ich die richtigen Methoden an der Hand habe, kann ich aktiv gestalten. Das wollen wir mit Happy Works vermitteln. Natürlich gibt es dabei auch Grenzen. Deswegen mag ich das Motto: “Love it, change it or leave it.” Wenn das Gefühl etws verändern und mitgestalten zu können nicht mehr da ist, dann hilft manchmal nur noch Gehen, so wie bei mir.

Warst Du nicht unsicher? Hattest Du keine Angst nicht mehr genügend Geld zu haben?
Klar habe ich auch gezweifelt. Aber ganz ehrlich: Mein Herz hat irgendwann angefangen immer dann einen Sprung zu machen, wenn ich an die Kündigung gedacht habe. Das ist dann wohl ein eindeutiges Zeichen. Die endgültige Entscheidung habe ich getroffen als ich mit Euch und der Emma in Marokko unterwegs war. Entspannen, die Landschaft an sich vorbeiziehen sehen, neue bunte Eindrücke gewinnen – und dann war es plötzlich glasklar.

Und dann bist Du nach Melbourne gegangen ohne Dir stattdessen einen neuen Job zu suchen?
Genau. Fast ohne Geld und definitiv ohne Ahnung, was mich erwartet. Ich habe oft gezweifelt, ob das wirklich eine gute Idee ist und wie das alles werden soll. Aber dann hat interessanterweise meine Mutter mir einen Stups gegeben als sie meinte: “Lisa, man merkt, dass Du älter wirst. Früher wärst Du einfach losgeflogen. Warum jetzt so zögerlich? Du weißt doch, irgendwie geht es immer weiter.” Da dachte ich: “Was, ich verhalte mich mit 30 wie eine alte Schachtel? Nee, los geht’s…”

Weshalb Australien?
Ich wollte weit weg. Und irgendwo hin, wo Englisch gesprochen wird. Ich habe hier eine gute Freundin. Sie hat mich dazu ermuntert sie endlich hier zu besuchen. Und 7 Wochen Ferien fand ich eine verlockende Aussicht.

Du hattest also zuerst vor nur 7 Wochen zu bleiben? Was ist dann passiert? Was hat Dich in oder an Melbourne begeistert?
Melbourne ist ein bisschen wie Berlin am Meer. Das habe ich mir schon immer gewünscht. Und nach den 7 Wochen hatte ich das Gefühl, mit dieser Stadt noch nicht fertig zu sein. Es gibt wahnsinnig viel zu entdecken. Nicht umsonst wurde Melbourne schon mehrmals hintereinander zur lebenswertesten Stadt der Welt gewählt: viktorianische Prachtbauten, Wolkenkratzer, Einwanderer von überall, kulinarische Überraschungen, perfekte Sonnenuntergänge, Possums, Sauvignon Blanc, Meeresrauschen…diese Liste kann ich endlos weiterführen…Und ehrlich gesagt ist es auch schön mal einen Berliner Winter auszulassen. Ich konnte mich nach den 7 Wochen noch nicht darauf einlassen, wieder in Berlin zu sein und die Jobsuche zu beginnen. Ich wollte mehr Leben und weniger Vorhersehbarkeit.

Gab es einen speziellen Moment, in dem Du Dir überlegt hast, es einfach ein paar Monate lang darauf ankommen zu lassen?
Nein, das ist eher mit der Zeit entstanden. Da sind wahrscheinlich viele Sachen zusammen gekommen. Dass ich nach der Kündigung keine berufliche Verpflichtung mehr hatte und auch privat gerade total ungebunden bin. Dass hingegen die meisten Menschen in meinem Umfeld mit Kinderkriegen und sesshaft werden beschäftigt sind. Weil das für mich gerade nicht ansteht, hat es mich in die Ferne gezogen.

Was ist Dir überhaupt wichtig um glücklich und zufrieden mit Dir und Deinem Leben zu sein? Darüber habe ich in den letzten Monaten oft nachgedacht. Momentan ist meine Antwort: Gesundheit; ein soziales Netzwerk mit guten Freunden und Familie; so viel Geld, dass ich mir immer wieder mal einen meiner Wünsche erfüllen kann; leckeres Essen; Natur; bunte Farben; gute Gespräche und ganz wichtig: tagtägliche Bewegung und Herausforderungen für Körper, Geist und Seele.

Vermisst du etwas? Dein Zuhause?
Ja, ich bin schon ziemlich heimatverbunden. Und das hat in meinem Fall auch wirklich etwas mit Geographie zu tun. In den letzten Wochen sind mir viele Menschen begegnet, die das ganz anders empfinden. Für sie ist der Mensch ein Nomade, der überall hingehen kann. Das kann ich für eine begrenzte Zeit sehr gut verstehen. Aber auf Dauer würde mir hier in Australien wahrscheinlich das Gefühl fehlen, wirklich dazu zu gehören. Wer hat hier in seiner Kindheit schon über Benjamin Blümchen oder Pumuckl gelacht?

Was bedeutet Zuhause und Heimat für Dich?
Ganz viele Dinge, die mein Herz höher schlagen lassen: Familienessen, der Geruch von nassem Laub und Herbstäpfeln, in einem See schwimmen in Brandenburg, “Schüttkartoffeln”, Wein, Weihnachtsplätzchen, stundenlange Gespräche mit langjährigen Freunden, sich verstanden fühlen…Geborgenheit…sich fallen lassen…eine Komfortzone.

Welche Reaktionen kamen von Deinen Freunden und Deiner Familie, als du deine Rückkehr auf nächstes Jahr verschoben hast?
Die haben sich alle für mich gefreut. Und wenn nicht, dann haben sie es gut versteckt.

Glaubst du, dein Aufenthalt in Australien wird dich prägen oder verändern?
Klar. Definitiv prägen. Ob verändern kann ich noch nicht sagen. Das können dann andere nach meiner Rückkehr vielleicht am besten beurteilen.

Was würdest du gern aus Australien und Deiner Erfahrung mit nach Deutschland und in die Zukunft nehmen?
Dass es immer irgendwie weiter geht. Und die Freundlichkeit und Leichtfüßigkeit vieler Menschen hier in Melbourne. Dass es nicht wichtig ist, was Du bisher gemacht hast, sondern wer Du bist und sein möchtest.

Hast Du schon einen Plan für Deine Zeit nach Australien?
Ich werde erstmal für ein paar Tage Euch und andere Freunde in der Schweiz besuchen. Den Winter nochmal so richtig mitnehmen. Und dann mit dem Schwung des Frühlings einen neuen Job in Berlin suchen.

Meinst Du ein Plan ist überhaupt wichtig?
Ja, für mich schon. Zumindest hilft es mir wenn ich weiß, was ich mir für die nächsten Monate vornehme und wünsche. Dass das Leben dann auch etwas ganz anderes mit uns vorhaben kann – darauf bin ich mittlerweile vorbereitet…

Danke Lisa. Ich wünsche Dir noch eine richtig gute Zeit und freue mich auf gemeinsame Abende in der Schweiz.

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anders als erwartet

Manchmal mache ich Pläne und alles kommt anders als geplant.

Gestern habe ich Deutschland verlassen um heute in der Wüste anzukommen. Tja, da habe ich meine Rechnung ohne den Regen gemacht. Alle Routen Richtung Süden sind überflutet und gesperrt. Es fahren keine Busse. Am Flughafen habe ich zwei Deutsche getroffen und Ihnen den Weg zum Hotel über überschwemmte Straßen und eingestürzte Brücken gezeigt um dann im Surferdorf Tagazhout auszusteigen. Jetzt wohne ich gratis in einem Hostel von jemandem, dem ich bei seiner Website helfe. Ich werde weiter in die Wüste reisen, wenn das Wetter sich bessert… Meine Lektion des Tages: take it easy und es wird schon werden.

 

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how you put giraffe in fridge in 3 steps

Ich bin wieder einmal auf dem Weg in die Wüste. Nachdem es schon wieder geregnet und kaum ein Einheimischer kann erinnern, wann es das letzte mal solch heftige Regenfälle gegeben hat. Es scheint, als werde ich dieses Mal nicht nur die blühende Wüste sehen, sondern auch eine Runde schwimmen können. Ich bin so gespannt was mich erwartet.

Zu Fuß durch die Sahara ist ja jedes mal eine Form der Meditation und Rückbesinnung auf das Wesentliche für mich.
Während ich laufe gibt es keine Ablenkung.
Wenn ich aufwache kann ich weder in die Küche noch zum Bäcker gehen. Und wenn ich einen Kaffee oder Tee möchte muß ich wohl erst einmal Feuer machen.
Die Landschaft verändert sich nur so langsam wie ich mich bewege. Das wird auch die meiste Zeit die schnellst Bewegung sein, die mein Auge wahrnimmt. Es sei denn ich versuche wieder einen wilden Esel zu fangen, was mir natürlich nicht gelungen ist. Ich sag es Dir, die sind so viel schneller als erwartet.
Abends bleibt auch nichts ausser dem Schein des Feuers zu betrachten oder Afrikas Sternenhimmel zu bewundern. Und ich kann Geschichten lauschen oder selber welche erzählen… sonst nichts.
So fragte uns Yahya beim letzten Mal: How do you put a giraffe into fridge in three steps?
Hast Du eine Idee? Schreib Sie mir doch bite in die Kommentare. Ich bin gespannt.
Da ich bei diesen Reisen so viel Wert auf die Einfachheit lege, habe ich auch dieses Mal die einfachste Packliste zusammengestellt mit der ich jemals gereist bin. Folgendes habe ich dabei:

  • Trekking Rucksack
  • Laufrucksack
  • Isomatte
  • Schlafsack
  • Seife, Zahnpaste, Zahnbürste, Deo, Handtuch, Nagelschere, Rasierklingen
  • Nadel und Faden
  • Ducktape
  • ein Paar Chala-Sandals
  • ein Paar Socken
  • zwei Unterhosen
  • zwei T-shirts
  • eine kurze Hose
  • lange Hose
  • ein Longsleeve
  • ein Pulli
  • eine Hardshelljacke
  • ein blauer Turaregturban
  • 2x Buff
  • Laufhose (kurze Tights)
  • ein Chalkbag (als Tasche genutzt)
  • Reisepass
  • Impfausweis
  • Kreditkarte
  • Alleskocher
  • Benzinflasche
  • Multitool
  • Stirnlampe
  • Eine Pfanne
  • Ein Topf
  • Ein Becher
  • Salz
  • ein Löffel
  • eine Gabel
  • eine Wasserflasche
  • ein Trinksack 10l
  • Papiertücher
  • MacBook Air
  • USB Internet Stick
  • Handy
  • Gopro Hero
  • ein Notizbuch
  • ein Stift

Ich plane direkt nach der Saharatour nach Tansania zu fliegen und zweieinhalb Wochen durch Ostafrika zu reisen. Danach werde ich noch über Weihnachten, Neujahr und meinen Geburtstag auf Sansibar bleiben. Ich möchte einfach leben, viel laufen und die Zeit zum schreiben nutzen. Unter der Sonne Afrikas und in Angesicht des Indischen Ozean. Ob es funktioniert, so zu arbeiten wird sich zeigen und ich darüber schreiben…

Wenn Du auch mal mit möchtest, das nächste mal geht es am 16. – 23. April 2015 in die Wüste

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keine digitalen nomaden

Eine Beschreibung, dessen, was Dich mit mir in der Sahara erwartet. Allerdings weder von mir noch von einem Teilnehmer geschrieben.

Denn ich habe in den vergangenen Tagen den tollen Bericht: „Analoge Nomaden“ gelesen. Katharina & Henryk kommen eigentlich aus dem digitalen Berlin und reisen momentan um die Welt um Erfahrungen zu sammeln. Neben vielen anderen spannenden Gegenden dieser Welt war die beiden unter anderem auch in der Sahara. Wie es sich gehört nicht mit dem Auto, sondern zu Fuß und mit Karawane. Wie es sich anfühlt als analoger Nomade, unplugged und im Rhythmus der Sonne zu leben schreiben die beiden eindrücklich und ich mußte unwillkürlich an meine (oder unsere) Zeit in der Wüste denken.

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weshalb EMMA?

Warum, ja warum nur die Emma? Wir hatten zwei gut bezahlte Jobs in Berlin, eine schicke Wohnung, die nicht nur günstig gelegen war, sondern außerdem einen Südbalkon mit Blick über Schlesischen Busch und Treptower Park bot. Wir hatten alles, was wir uns von einem angenehmen Stadtleben wünschten. Alles uns wichtige war fußläufig erreichbar. Regio- und Bioläden, außerdem internationale Restaurants. Freunde und unendlich viele Möglichkeiten etwas zu unternehmen. Warum würde jemand das alles aufgeben?

Nun ja. Ich kann Dir zumindest sagen, weshalb wir vor einem Jahr die Entscheidung getroffen haben, dies alles hinter uns zu lassen. Wir lieben beide das Reisen und haben schon ein wenig von der Welt gesehen. Wir mögen Berlin und haben unser Leben dort genossen. Gleichzeitig teilten wir aber auch das Gefühl, dass da noch mehr sein muss. Je mehr wir von der Welt gesehen haben, umso klarer wurde uns, dass das meiste noch vor uns lag und es noch so viel zu entdecken galt. Das Leben ist so unglaublich vielfältig, dass uns ein Ausharren in ein und demselben Umfeld wie ein Gefangensein vorkam.
Das Leben ist eine Reise. Es geht um die Veränderung im Laufe der Zeit. Die Zeit steht nicht still. Sie ist zwar immer genau jetzt, aber schon einen Augenblick später ist es auch schon wieder vorbei. Die Zukunft rast auf uns zu und alles verändert sich immerzu.
Die Vorstellung einen Status quo festzuhalten ist eine Illusion. Die Zeit läuft weiter. In dem Augenblick, in dem wir uns nicht mehr verändern, sind wir tot. Da wir das noch nicht sind, wollen wir selber über unser Leben bestimmen und nicht so wie es irgendeine Routine oder Gewohnheit von uns verlangt.
Dieser starke Drang nach persönlicher Freiheit ließ uns aus den Gepflogenheiten ausbrechen. Freiheit bedeutet mir, so wenig wie möglich von Anderen abhängig zu sein. Die meisten Menschen, die ich kenne (mich eingeschlossen) machen sich im Laufe Ihres Lebens von irgendwelchen finanziellen Verpflichtungen abhängig. Wer sich in der Vergangenheit gebunden hat, muss dafür heute gerade stehen. Dazu gehören Miete, Flatrates, Abonnements und Kredite.

Deshalb haben wir vor einem Jahr vier Entscheidungen getroffen.
1. Wir haben laufende Verträge gekündigt (Miete, Handy, Internet) und haben zu EMMA und prepaid gewechselt
2. Wir haben unsere Jobs gekündigt bzw. auf halbtags und Homeoffice umgestellt
3. wir haben einen 45 Jahre alten historischen Camper gekauft, der sozusagen noch analog funktioniert um so viel wie möglich selber und unterwegs reparieren zu können
4. Wir begannen zu reisen und unser Homeoffice immer dabei zu haben

Es war schon unglaublich wie viel Zeit ich auf einmal hatte nachdem ich meine Comfortzone verlassen habe. Soviel meiner Zeit war davor dominiert von Routinen, die mir allerdings gar nicht mehr aufgefallen sind. Obwohl ich bis dahin schon der Meinung war sehr flexibel zu sein, hat es mich total umgehauen, wie viel Zeit ich gewonnen habe, dadurch dass ich kaum noch Dinge besitze um die ich mich kümmern muss.
Mit so wenig Ablenkung sind mir ziemlich viele Dinge aufgefallen, die ich schlichtweg hasse. Das meiste davon wurde mir bewusst, nachdem ich es zurück gelassen habe. Da ich mich nun nicht mehr darüber aufregen brauchte, begann mein Geist sich darauf zu konzentrieren, was ich denn in meinem Leben so wirklich schätze:

  • Laufen
  • Natur
  • Schreiben
  • Unterrichten
  • Ruhe
  • Frieden
  • Ausgeglichenheit

Ich mache mir seitdem ständig Gedanken, wie ich davon mehr in meinem tagtäglichen Leben haben kann.

Je mehr ich sehe umso bewusster wird mir wie wenig ich weiß.
Das Leben ist eine Reise und ich bin unterwegs.