schuld, gerechtigkeit & gelassenheit

Ich habe eine Weile darüber nachgedacht, ob ich diesen Beitrag so veröffentlichen soll. Ob er nicht zu persönlich sei, habe ich mich gefragt und weshalb Du dies wohl lesen solltest. Allerdings geht es in allem, was ich tue, darum, Rückschlüsse aus Erfahrungen zu ziehen, um herauszufinden, was in meinem Leben essentiell, Luxus oder Ballast ist und um dann mit der richtigen Einstellung ein glücklicheres Leben zu führen. Genau das macht auch meine Seminare, Trainings und Reisen aus. Also musste ich dies hier Schreiben und ich hoffe Du hast etwas davon, es zu lesen:

Manchmal ist es so viel einfacher, wenn jemand eindeutig Schuld hat – am liebsten natürlich von meinem Standpunkt aus betrachtet.
Ich mag es, wenn Dinge und Situationen eindeutig und klar sind. Wenn es für mich nachvollziehbar ist, warum etwas so ist, wie es ist. Früher habe ich dabei meist die einfachen Zusammenhänge gesucht. Mittlerweile sehe ich oft, dass das Geschehen viel komplizierter sind.
Nichts desto trotz versuche ich die Zusammenhänge zu hinterfragen und zu verstehen. Das macht es mir einfacher zu akzeptieren, dass etwas so ist, wie es ist. Vielleicht ist dies ein Grund, weshalb ich mich oft auf die Suche nach dem großen Ganzen mache, auch wenn ich damit meistens noch scheitere.

Die letzte Woche war wieder Eine, in der ich mich gefragt habe, warum Dinge passieren, wie sie es tun. Wer trägt daran Schuld und kann dafür zur Rechenschaft gezogen werden, damit die Welt (meine Welt) danach wieder in Ordnung ist.

Aber… so läuft es leider nicht!

Anfang der Woche habe ich Unterlagen aus meiner Zeit in den USA gefunden und bin auf lang verschollene Freunde und Bekannte gestossen. Ich habe mich online auf die Suche begeben und zu vielen wieder Kontakt aufgenommen.
Auch mit einem meiner Gastbrüder hatte ich seit langem keinen Kontakt mehr. Ich stieß bei meiner Suche sofort auf vier Wochen alte Polizeibilder seiner Verhaftung. Geschockt lass ich Zeitungsberichte und musste feststellen, dass Josh den zweijährigen Sohn seiner Freundin umgebracht hat, weil sich dieser eingemacht hatte. Total geschockt habe ich tagelang daran gedacht und mich gefragt wie so etwas passieren kann. Wessen Schuld war es, dass es dazu kommt? Wer kann bestraft werden?

Ich war nicht gut beieinander in der Zeit und musste viel an meinen Kleinen denken, der zu dieser Zeit in Marokko war.

Da erreichte mich eine Anklageschriften von einer Person, die sich finanziellen Vorteil erhofft, wenn sie mich verklagt. Ich bin der Meinung, dass die Vorwürfe aus der Luft gegriffen sind. Ich muss mich dennoch dagegen wehren, Stellung beziehen und auf einen Prozess einlassen, da ansonsten zu meinen Ungunsten entschieden werden könnte. Ich verstehe dieses Vorgehen nicht. Ich war zutiefst getroffen und persönlich angegriffen und es fiel mir schwer darauf zu reagieren. Warum passiert das mir? Wessen Schuld ist das? Das ist so ungerecht!

Bereits in einem emotionalen Zustand, in dem ich mich kaum um solche (in meinen Augen) Lappalien kümmern kann und doch eventuell gezwungen bin einen Anwalt einschalten zu müssen, erreichte mich ein Anruf:

Mein Kleiner war zwei Tage vorher in einen schweren Verkehrsunfall mit seinen Großeltern in Marokko verwickelt.
Opa tot.
Oma schwerverletzt.
Sufian seit zwei Tagen auf der Intensivstation. Ich reiste sofort ab und verbrachte die kommende Nacht auf dem Flur und vor der Türe eines arabisch/afrikanischen Kinderkrankenhauses. Wer eines gesehen hat, weiss wovon ich spreche… Mein Vertrauen in das Gute auf dieser Welt sank ins Bodenlose. Das konnte doch nicht sein? Wessen Schuld ist das? Wer kann dafür bestraft werden?

Sufian wird entlassen, kann aber nicht laufen und ich bleibe vorerst in Marokko.

Darauf erreicht mich das Schreiben eines Räumungsbefehls für meine Berliner Wohnung. Mein Vermieter, der meine Wohnung gerne kernsanieren und zum doppelten Preis vermieten möchte, ist von Beruf Anwalt und drangsaliert seit längerem die Bewohner des Hauses. Mir schickt er seit 1 1/2 Jahren in unregelmässigen Abständen Abmahnungen und angebliche Fristlose Kündigungen, die bisher jedes Mal auf Falschaussagen beruhten und haltlos waren. Trotzdem zehrt es an den Nerven, zu wissen, dass jeder Schritt beobachtet wird, um einen Fehler des Mieters aufzudecken.
Da der Vermieter im selben Haus wohnt, hat er mitbekommen, dass zur Zeit niemand in der Wohnung ist und hat wegen eines angeblichen Reparaturtermines eines Wasserzählers am folgenden Tag, per angeblichem Boten eine Aufforderung zur Gewährung des Zutritts in meinen Briefkasten einwerfen lassen. Ich habe natürlich nicht darauf geantwortet, da ich das Schreiben bis heute nicht gesehen habe. Deshalb warf er mir umgehend Vertragsbruch vor, wegen Verweigerung des Zutritts zur Wohnung und sprach eine sofortige Kündigung zum darauffolgenden Tag aus. Wieder per Boten in den Briefkasten.
Du kannst es Dir denken, ich habe mich darauf wieder nicht gemeldet und auch die Wohnung nicht geräumt… Ich bin ja nicht da.
Daraufhin hat er unmittelbar einen richterlichen Räumungsbeschluss angekündigt. Darüber setzte er mich dieses Mal per Email in Kenntnis, sowie dass ich sämtliche Kosten für Prozess und Räumung zu tragen habe. (Man beachte, dass er sowohl, meine Emailadresse, wie auch Telefonnummer, wie auch mein Anschrift in der Schweiz hat)
Derweil bin ich noch in Marokko und habe, gelinde gesagt, andere Sorgen. Warum macht er dass?
Ich hatte diesen Sommer versucht die Wohnung zu kündigen und möglichst schnell einen gemeinsamen Termin für die Rückgabe zu finden, da ich in der Schweiz wohne. Das hat er mit Verweis auf irgendwelche Paragrafen abgelehnt. Und jetzt so? Was eine Ungerechtigkeit! Was habe ich getan?

In meiner Gedankenwelt, in der ich mir Ursache und Wirkung wünsche, frage ich mich wieder und wieder: „Was habe ich getan, um diese Woche zu verdienen?“ Gerne würde ich das verstehen, um solche Resultate zukünftig zu verhindern.

Wenn ich allerdings meine Ichbezogenheit aufgebe und die Geschehnisse mit Abstand betrachte, sehe ich, dass sie wahrscheinlich nichts direkt mit mir zu tun haben, sondern Prozesse ausserhalb meines Einflussbereiches im Gange sind, die zufällig zeitgleich bei mir zusammentreffen. An dieser Geisteshaltung arbeite ich jeden Tag (und scheitere meist) und versuche durch das Aufschreiben und Veröffentlichen, Dich daran Teil habe zu lassen, so dass Du, wenn Du magst, Schlüsse für Dein eigenes Leben daraus ziehen kannst.
Ich hoffe, dass wir alle mit geteilten Erfahrungen stärker eine positive und gewinnende Einstellung für einander erreichen können und so Konflikte vermeiden.

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Du bestimmst es für Dein Leben selbst!

Für mich heisst das:
Ich habe Glück, dass die meisten Menschen in Deutschland persönliche Rache über juristisches Klagen erreichen wollen und nicht über Selbstjustiz. So kostet mich diese Auseinandersetzung eventuell Geld, aber nicht meine Gesundheit oder gar mein Leben.

Ich habe Glück, dass Sufian noch lebt und sich allem Anschein nach vollständig erholen wird und ich in diesen schweren Stunden für ihn da sein durfte.

Ich habe Glück, dass ich die Wohnung sowieso loswerden will, weil ich in der Schweiz lebe. Ich werde also nicht auf der Straße sitzen (wobei auch das nicht das Ende wäre), sondern im schlimmsten aller Fälle Geld (für was auch immer noch kommt) zahlen müssen.

Was auch immer passiert: Unser Leben haben wir nur so lange, bis es vorbei ist. Es ist unsere eigene Wahl mit welcher Einstellung wir dieses eine Leben leben! Über die Qualität des Lebens entscheidest Du selbst!

Mach Du das Bestmögliche aus Deinem Leben! JETZT!

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